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Teddybären hoch im Kurs
Einen Teddybär als Geldanlage? Mit einem Hauch von Sentimentalität wird sich so mancher renditebewusste Zeitgenosse an den vielgeliebten stimmen Gefährten der Kindheit erinnern, etwas wehmütig lächeln und noch einen Blick in die Rubrik ‚Antiquitäten und Kunst‘ werfen. Plüschtiere in einem Atemzug mit gewinnträchtigen Investitionen zu nennen – diese Kombination erscheint doch zumindest ungewöhnlich, denn was für einen Wert stellt schon ein alter Teddy dar?
Doch wer solch eingefahrenen Denk-Gleisen verhaftet ist, verpasst vielleicht einen Zug, der immer stärker in Fahrt kommt. Vor allem bei unseren angelsächsischen Nachbarn in den USA und Großbritannien ist seit einigen Jahren ein Teddyboom ausgebrochen, den sich die Liebhaber der drolligen Spielgefährten aus Plüsch einiges kosten lassen.
Eingefleischte Teddybär-Fans interessiert in erster Linie nicht, wie gut erhalten ihre ersteigerten Kostbarkeiten sind, ihnen geht es um den ‚Charakter‘ ihrer Lieblinge, um ihre Originalität. Und solche Teddy-Persönlichkeiten waren beispielsweise die spitznäsigen, hartgestopften ‚Klassiker‘ von Steiff aus den Pioniertagen der Plüschtiere um 1900 bis in die Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts – und nicht die heute so beliebten Kuschelbären. Oder muss man sagen: noch nicht?
Seit 1903
Renner aus dem Sammlermarkt sind Teddys aus dem Hause Steiff. Allein zwischen 1903 (dem Geburtsjahr des Teddys) und 1914 verließen ca. 8 Millionen Bären die Produktionshallen des Unternehmens.
Die sorgfältige Verarbeitung wird von den Sammlern geschätzt – und der berühmte ‚Knopf im Ohr‘. Ob dieses 1904 eingeführte Markenzeichen die Jahre überlebt hat oder nicht, wird beispielsweise bei jedem von Sotheby’s angebotenen Tier sorgfältig vermerkt. Der ‚Steiff Button in Ear‘ treibt den Wert gleich um mehrere Pfund in die Höhe.
Neuauflagen
Gesammelt werden neben den alten Bären jedoch auch neue. Vielleicht spielt hier die Sehnsucht eine Rolle, die erste Liebe im Leben eines Petzes zu sein, wer weiß? Steiff jedenfalls hat sich den Hang zu ‚Bären-Oldies‘ zunutze gemacht. 1980 kam die erste Replik auf den Markt, der sogenannte Papa-Bär. Die limitierte Nachbildung des ersten Teddys fand – trotz eines stolzen Preises von knapp 200 Mark / 150 Dollar – sofort 11.000 Käufer. Inzwischen wird der Jubiläumsteddy ab 600 Dollar gehandelt. Weitere ‚Neuauflagen‘ mit einem Limit zwischen 6.000 und 20.000 Stück sind seitdem im Handel. Unter ihnen der Filzelefant aus dem Jahre 1880, der ursprünglich 10 cm und als Nadelkissen gedacht, Margarete Steiffs Karriere begründete.
30 Prozent aller Kuscheltiere, so haben Untersuchungen ergeben, werden inzwischen von Erwachsenen für Erwachsene gekauft und immer mehr Arctophilisten (Sammler von Teddybären) bekennen sich auch außerhalb des privaten Bereichs zu ihrer Liebe zu den Gefährten ihrer Kindheit – selbst angesichts der Gefahr, belächelt zu werden. Doch wer wird es noch wagen, sich über solch ‚unseriöse‘ Sammlerleidenschaft lustig zu machen, wenn sich die Investition in ein Hobby auch unter dem Strich rechnet?




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